Montag, 7. September 2009

Das fliegende Klassenzimmer (Erstverfilmung von 1954)


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(gut)

Dreimal wurde Erich Kästners Roman bisher verfilmt. Aber im Gegensatz zu der – wohl bekanntesten – 70er Jahre-Version mit Joachim Fuchsberger und der Neuverfilmung von 2003 hält sich der erste Film konsequent an die Romanvorlage. Kein Wunder, denn Erich Kästner selbst schrieb das Drehbuch und übernahm auch die Rolle des Erzählers in dem Film. Regie führte Kurt Hoffmann, vielfach preisgekrönter, deutscher Regisseur der 40er bis 60er Jahre. Und d
ie Hauptrolle des Johnny spielte in dem im Winter 1953/54 gedrehten Klassiker der damals noch unbekannte, 14-jährige Peter Kraus.

Der Film – etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch die schönste und authentischste Verfilmung des bekannten Kinderbuchs – läuft am Sonntag, 13. September 2009 um 11:25 Uhr auf SAT.1.
Internet Movie Database: Das fliegende Klassenzimmer (DE, 1954)
YouTube: Das fliegende Klassenzimmer – Ausschnitt aus dem Epilog mit Erich Kästner und Peter Kraus (1:46 Min)
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Montag, 31. August 2009

Herzflimmern


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(sehr gut)

Im Frankreich der 50er Jahre wächst der 15-jährige Laurent als Muttersöhnchen und als Jüngster von drei Brüdern in wohlhabenden und eher konservativen Verhältnissen auf. Als bei Laurent ein Herzflimmern diagnostiziert wird, fährt er mit seiner Mutter auf Kur. Dort entspinnt sich zwischen Mutter und Sohn eine intensive Beziehung – bis Laurent seine erste Liebe mit einem gleichaltrigen Mädchen erlebt. Das sensible Meisterwerk von Louis Malle aus dem Jahre 1971 sorgte zwar für einige kontroverse Diskussionen um das Thema Inzest, wurde aber dennoch für die Goldene Palme und für den Oscar nominiert.


Der Film kommt am Dienstag, 1. September 2009 um 0:10 Uhr im SWR.
Internet Movie Database: Le souffle au coeur (FR, 1971)
YouTube: Le souffle au coeur – Filmausschnitt (5:20 Min, engl. Untertitel)
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Montag, 24. August 2009

Summer Blues (Kurzfilm)


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(sehr gut)

Zwei Jungs und zwei Mädels verbringen zusammen den Sommer in einem Ferienhaus an der Küste. Die Freunde Mads und Kristian, die sich einige Zeit nicht getroffen hatten, feiern ihr Wiedersehen. Zwischen Mads und seiner Freundin kriselt es. Und als Mads betrunken und nackt im Bett liegt, kann Kristian seine Gefühle für ihn einfach nicht mehr zurückhalten.
Der 25-minütige Film des norwegischen Regisseurs Frank Mosvold ist einfühlsam und tiefgründig, eine Geschichte voll Sehnsucht und Zärtlichkeit. Das norwegische Filminstitut schreibt: "It is a story of love and friendship, of loss and discovery, of the transition from childhood to maturity." – So macht der "Summertime Blues" auch für den Zuschauer Spaß.

Internet Movie Database: Summer Blues (NO, 2002)
YouTube: Summer Blues – Filmszenen mit Musik unterlegt (9:03 Min)
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Montag, 17. August 2009

Populärmusik aus Vittula


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(gut)

Ein wirklich schräger Streifen aus Schweden, der im äußersten Norden des Landes im schwedisch-finnischen "Niemandsland" spielt. Die beiden Freunde Matti und Niila wachsen in den sechziger und siebziger Jahren in der ländlichen Einöde auf und haben ihre liebe Not, ihre geliebte Rockmusik gegen die verknöcherten Ansichten der derben und saufenden Bewohner ihrer Dorfgemeinde zu verteidigen. Das führt zu grotesken Situationen und ist mitunter urkomisch.

Der Film kommt am Donnerstag, 20. August 2009, 22:25 Uhr auf 3sat.
Internet Movie Database: Populärmusik från Vittula (SE, 2004)
YouTube: Populärmusik aus Vittula – Trailer (1:54 Min)
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Samstag, 15. August 2009

Summertime Blues


Originaltitel: „Summertime Blues“
Deutschland, 2009
Regisseur: Marie Reich
Drehbuch: Frederike Köpf, Uschi Reich, Robin Getrost
Produzenten: Uschi Reich, Bernd Krause
Hauptdarsteller: François Goeske, Sarah Beck, Zoe Moore, Karoline Eichhorn, Alexander Beyer, Christian Nickel, Maja Schöne, Jonathan Beck
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Bewertung:

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(hat ein paar lichte Momente)
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Wer mein Blog liest, weiß, dass ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen würde, einen neuen, groß angekündigten, deutschen Coming-of-Age-Film – der von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden mit dem Prädikat „wertvoll“ ausgezeichnet wurde – in München in der Vorpremiere anzusehen, umso mehr, wenn auch der Hauptdarsteller anwesend ist. Naja, so war ich heute im Mathäser Filmpalast bei „Summertime Blues“. Zugegeben, allzu hohe Erwartungen hatte ich an den Film nicht, aber was ich zu sehen bekam, hat mich dann doch … *ähhh* … überrascht.

Die Story ist an und für sich nicht ohne Potenzial: die Eltern des 15-jährigen Alex haben sich gerade getrennt und er muss sich entscheiden, ob er mit seiner Mutter und ihrem neuen Lebensgefährten die Ferien im englischen Kent verbringen will oder doch lieber in Bremen bei seinem Vater und dessen schwangerer Freundin bleibt. Alex fährt nach England und trifft dort gleich auf zwei Mädchen: auf die Außenseiterin Louie, die ihr Leben der Hilfe für Not leidende Tiere verschrieben hat, und auf die Amerikanerin Faye, die Tochter seines neuen „Stiefvaters“ aus erster Ehe. Das alles sorgt natürlich für einige Konflikte und bis sich alles wieder in Wohlgefallen auflöst, ist so manche Klippe zu überwinden. Ein klassischer Teenagerfilm also, und eine Lovestory über die Wirren der ersten Liebe.

Trotz ambitionierter Ansätze schafft es „Summertime Blues“ aber leider überhaupt nicht, das Thema überzeugend darzustellen. François Goeske ist mit 20 Jahren als Hauptdarsteller schlichtweg zu alt für die Rolle, den 15-Jährigen nimmt man ihm beim besten Willen nicht mehr ab. Bei der Problematik des Scheidungskindes wird kein einziges Klischee ausgelassen. Da muss selbst die aus der tiefsten Mottenkiste hervorgeholte alternativ-ökologische Vorzeigefamilie wieder herhalten. Auch die Gefühlswelt des Protagonisten Alex ist alles andere als stimmig. Das liegt schon alleine daran, dass die Figur – in der Romanvorlage der Autorin Julia Clarke ebenso wie im Film – in ihrem ganzen Denken, Fühlen und Handeln eher einer weiblichen Logik folgt. Schon im Buch wirkt das für einen Jungen unglaubwürdig, bei der Verfilmung umso mehr.

Hinzu kommen die bei „Summertime Blues“ auffallend platten und holprigen Dialoge, die blassen Charaktere und die zuweilen billig wirkende Szenerie. So besticht Louies Tierfarm mit einer Kasperltheater-Hütte, die mit ihren herumhüpfenden Ziegen an unterstes GZSZ-Niveau erinnert. Da finden sich die Schauspieler auf verlorenem Posten wieder und können nicht wirklich zur Bestform auflaufen. François Goeske meistert das so lala, die Off-Kommentare – die allerdings weitgehend der Romanvorlage entnommen sind – muten trotzdem eher gezwungen und unnatürlich an. Einer der „lichten Momente“ ist hier aber Zoe Moore als Louie, die ihre – im Englischen leider ebenfalls platten – Dialoge mit ihrem natürlichen Spiel wettmacht.

Zu schade, dass François Goeske heute im Kino am Ende der Vorstellung schon zum nächsten Termin weitergezogen war. Ich hätte ihn gerne gefragt, ob er sich beim Drehen der einen oder anderen Szene nicht selbst blöd vorgekommen sein muss. Und die Art und Weise, wie sein Manager den jungen Mann in der Vorankündigungsrunde zu Beginn des Films präsentiert hat, als wäre er noch ein kleiner Bub, empfanden sogar die Teenie-Mädels in der Reihe hinter mir als „peinlich“. François Goeske hatte mit seiner Hauptrolle in dem Pro7-Remake des Filmklassikers „Die Brücke“ eine sehr beachtliche Leistung gezeigt und bewiesen, dass er sich zu einem ernst zu nehmenden Schauspieler entwickelt hat. Es ist jetzt wirklich an der Zeit, dass er aufhört, sein Teenstar-Image krampfhaft aufrechterhalten zu wollen.

Alles in allem ist der „Summertime Blues“ also eher eine schwache Vorstellung. Von der Produzentin Uschi Reich hat man schon besseres gesehen und ihre Tochter Marie hat sich mit diesem Regiedebut nun wirklich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Uschi und Marie Reich sollten sich wohl doch besser wieder auf die weibliche Gefühlswelt – wie bei „Die wilden Hühner“ – konzentrieren. Eine Empfehlung, die man der Romanautorin Julia Clarke auch gerne mit auf den Weg geben möchte. Wer nicht gerade der Kernzielgruppe der 12-jährigen Teenie-Girls angehört, sollte für die 2 Stunden, die der Film dauert, die Sommerzeit doch eher in der Sonne verbringen als im Kino – oder er kriegt erst recht den „Blues“.
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Internet Movie Database
IMDb: Summertime Blues

Trailer
YouTube: Summertime Blues – Trailer (1:42 Min)

DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Kinostart: 20. August 2008


Filmkritiken
Film.de: „Wenn in Deutschland Filme für Teenies produziert werden, ist es leider die Regel geworden [...]“
Filmstarts.de: „In Deutschland werden rund 39 Prozent aller Ehen geschieden, etwa 150.000 Kinder [...]“
Filmfuchs.de: „Grundlage für diese versuchte Sezierung jugendlicher Gefühlswelten ist der gleichnamige Roman [...]“
MovieMaze.de: „Teeniemelodram-Schmonzetten sind nicht gerade neu. Das Kochrezept ist einfach [...]“
Berliner Zeitung: „Der deutsche Debütfilm 'Summertime Blues' erteilt Lehrstunden in Anglophilie [...]“

Links
Offizielle Website zum Film
Tags: Coming of Age, Film, Kritik, Rezension, Review, Besprechung, Beurteilung, Bewertung, Beschreibung
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Montag, 10. August 2009

Raus aus Åmål


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(gut)

Der Berlinale „Teddy Award“-Gewinner von 1999. Die Geschichte um die Perspektivelosigkeit der Außenseiterin Agnes, die heimlich in ihre Freundin Elin verliebt ist, sorgte nicht nur in Skandinavien für Aufsehen. Der Film-Dienst urteilte: „Der sympathische Debütfilm überzeugt als sensible Geschichte adoleszenter Selbstfindung, da der Film die Perspektiven seiner Protagonistinnen ernst nimmt und sich jeden wertenden Kommentars enthält. Nicht zuletzt lebt er vom lebendigen Spiel seiner jungen Hauptdarstellerin.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen
.

Der filmt läuft am Mittwoch, 12. August 2009, 0:50 Uhr auf ARD.
Internet Movie Database: Fucking Åmål (SE, 1998)
YouTube: Raus aus Åmål – Trailer (1:24 Min)
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Mittwoch, 5. August 2009

Lymelife


Originaltitel: „Lymelife“
Deutscher Titel: „Long Island Blues“
USA, 2008
Regisseur: Derick Martini
Drehbuch: Derick und Steven Martini
Produzenten: Leonard Loventhal, Martin Scorsese
Hauptdarsteller: Rory Culkin, Alec Baldwin, Kieran Culkin, Jill Hennessy, Timothy Hutton, Cynthia Nixon, Emma Roberts
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Bewertung:

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(gut)
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Eine der ersten großen Borreliose-Epidemien in den USA Ende der siebziger Jahre auf Long Island bildet die Rahmenhandlung für die Independent-Tragikomödie „Lymelife“. Und die Krankheit – im Amerikanischen „Lyme Disease“ – gibt dem Film auch seinen Namen. „Lymelife“, das zweite Werk des Brüderpaars Derick und Steven Martini, wurde 2008 beim Toronto Filmfestival ausgezeichnet und konnte auch beim diesjährigen Sundance Filmfestival überzeugen. Der Film – eine Mischung aus Vorstadtfamiliendrama und Coming-of-Age-Story – spiegelt auf amüsante Weise den Zeitgeist in den 1970ies in den USA wider. Er lebt von seinen guten Darstellern, allen voran Alec Baldwin, Timothy Hutton und die beiden Culkin-Brüder. Die Charaktere empfand ich allerdings als sehr stereotypisch und stellenweise fast unerträglich „amerikanisch“. Dennoch ist „Lymelife“ ein guter Film, der es vielleicht sogar zu uns in die Kinos schafft – sollte er einen deutschen Verleih finden.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 15-Jährige Scott, der seine Jugendzeit als Strudel zwischen erster Liebe, Mobbing an der Schule und familiären Konflikten erlebt. Der Vater seiner besten Freundin Adrianna ist schwer an Borreliose erkrankt und kann nicht mehr arbeiten, was nicht nur deren Familie stark belastet. Denn Scotts übertrieben fürsorgliche Mutter – von der Hysterie um die Krankheit getrieben – behandelt ihren Sohn wie ein Kleinkind. Währendessen verschafft Scotts Vater, ein erfolgreicher Immobilienunternehmer, wegen der guten Beziehung zwischen den beiden Familien nicht nur Adriannas Mutter Arbeit und Einkommen, sondern nutzt die Situation auch aus, um seine langjährige Affäre mit ihr zu intensivieren. Als Scotts älterer Bruder Jimmy, der kurz vor seinem Einsatz auf den Falklandinseln steht, auf Heimaturlaub von der Army nach Hause kommt, spitzen sich die familiären Probleme weiter zu.

Bei der Aufführung von „Lymelife“ im Rahmen des Filmfests München 2009 war Drehbuchautor Steven Martini anwesend. Und der 30-Jährige, der in dem Drama auch eigene Kindheitserfahrungen verarbeitet hat, plauderte aus dem Nähkästchen. So habe Martin Scorsese mit dem Film eigentlich gar nichts zu tun gehabt, sondern hat lediglich seinen Namen als Produzent hergegeben. Und man erfuhr auch, dass der Cast nicht wirklich ein Zufall ist, denn Steven Martini war zusammen mit Kieran und Macaulay Culkin auf der „Professional Children's School“ in New York City – einer speziellen Schule für Kinder und Jugendliche, die bereits eine Karriere als Schauspieler oder Künstler am Laufen haben. Und auf die – zugegeben etwas provokante, aber in Anbetracht der Story durchaus berechtigte – Frage, ob sich das Drehbuch nicht auch stark von Ang Lees „The Ice Storm“ hatte inspirieren lassen, antwortete Steven Martini salomonisch: „’The Ice Storm’ is an amazing movie and it's definitely a honor to be compared with it.“
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Internet Movie Database
IMDb: Lymelife

Trailer

YouTube: Lymelife – Trailer (2:39 Min, engl.)
Yahoo Movies: Lymelife – Trailer und Filmausschnitte (insgesamt 5:54 Min, engl.)

DVD
Amazon.com: Lymelife – NTSC englisch (Erscheinungsdatum: 22. September 2009)

Links
Filmkritik auf Screenshot-Online: „Eissturm im Wasserglas – Lymelife“
Offizielle Website zum Film (engl.)
Wikipedia.org: Lymelife (engl.)
Sundance Film Festival 09: Lymelife (engl.)
Wunderkammer Magazine: Lymelife (engl.)
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Montag, 3. August 2009

Lust och fägring stor


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(sehr gut)

Die Geschichte spielt während der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Malmö. Der 15-jährige Stig erlebt die erste Liebe und beginnt eine Affäre mit seiner 37-jährigen Lehrerin. Ein einfühlsamer Film des schwedischen Regisseurs Bo Widerberg und ein fein gezeichnetes Zeitporträt. Das Drama gewann den Silbernen Bären bei der Berlinale und war auch für den Oscar nominiert. In Deutschland wird der Film - leider - unter diversen Titeln gehandelt: im Kino lief er unter "Schön ist die Jugendzeit", im TV als "Lehrstunden der Liebe".


Internet Movie Database: Lust och fägring stor (SE, 1995)
YouTube: Lust och fägring stor – Filmausschnitt (3:23 Min)
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Montag, 27. Juli 2009

Die Brücke


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(sehr gut)

In den letzten Kriegstagen vor Ende des 2. Weltkriegs wurde in Deutschland der Jahrgang 1929 zur Verteidigung des Vaterlands gegen die einmaschierenden alliierten Streitkräfte rekrutiert. 15- und 16-jährige Jugendliche wurden in einen sinnlosen Kampf geschickt. Und Bernhard Wickis weltberühmtes Kriegsdrama setzt das mehr als eindrucksvoll in Szene. Auch wenn er heute etwas angestaubt wirkt, ist es ein Film den man gesehen haben sollte. Und im Vergleich dazu erscheint das - eigentlich nicht schlecht gemachte - Pro7-Remake wie ein müder Abklatsch.

Mein Vater wird heute 80 Jahre alt und musste mit 15 Jahren in den Krieg ziehen. Er hat diesen Wahnsinn selbst miterlebt. Somit ist "Die Brücke" für mich auch ein sehr persönlicher "Film der Woche"...

Internet Movie Database: Die Brücke (DE, 1959)
YouTube: Die Brücke – Filmszenen mit Musik unterlegt (2:53 Min)
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Montag, 20. Juli 2009

Quinceañera - Der 15. Geburtstag


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(gut)

Großer Jury- und Publikumspreis beim Sundance Film Festival. Ein kurzweiliger und unterhaltsamer Einblick in die kleine mexikanische Welt "Echo Park" inmitten von L.A.: religiöse Traditionen und kitschige Familienbräuche, die mit einem guten Schuss Ironie präsentiert werden. Pubertierende Girls und kleine Teeny Machos, schrullige Alte und schwule Lifestyle-Pärchen. Der intelligente Film rund um das traditionelle, lateinamerikanische Ritual zum Erwachsenwerden war 2006 auch beim Verzaubert Filmfest zu sehen.


Der Film läuft am Mittwoch, 22. Juli 2009, 23:45 Uhr auf Arte.
Internet Movie Database: Quinceañera (US, 2006)
YouTube: Quinceañera – Trailer (1:56 Min)
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Mittwoch, 15. Juli 2009

Hangtime – Kein leichtes Spiel


Originaltitel: „Hangtime“
Deutschland, 2009
Regisseur: Wolfgang Groos
Produzenten: Tom Spieß und Sönke Wortmann
Hauptdarsteller: Max Kidd, Mišel Matičević, Ralph Kretschmar, Max Fröhlich, Mirjam Weichselbraun, Veit Stübner
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Bewertung:

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(gut)
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Filmfest München 2009: die über 200 Plätze im Kinosaal 4 im CinemaxX sind bis auf den letzten Sitz belegt. Es ist die Premiere des Basketballfilms „Hangtime“ am 29. Juni 2009. Die deutsche Produktion, die in Zusammenarbeit mit dem WDR und Arte entstanden ist, wird im Oktober in die Kinos kommen. Zur Premiere fanden sich (fast) alle Schauspieler und Verantwortlichen im Produktionsstab ein. Nur Co-Produzent Sönke Wortmann konnte nicht mit dabei sein. So reihten sich am Ende des Films auch alle Beteiligten brav vor der Kinoleinwand auf und ließen sich vom Publikum feiern und die zahlreichen Dankesworte über sich ergehen. Auch einige Sportler fielen beim Blick in die Zuschauerreihen auf. Denn maßgeblich an dem Film mitgewirkt hatte auch die Bundesliga-Mannschaft des Basketballvereins Phoenix Hagen, deren ehemalige Spielstätte, die Ischelandhalle, auch die Kulisse für die zahlreichen Spielsequenzen bildete. Tja, eine solche Premierenvorstellung hätte man „Ihr könnt Euch niemals sicher sein“ im vergangenen Jahr auch gewünscht.


Doch nun zum Film: im Mittelpunkt der Coming-of-Age-Geschichte stehen die beiden Brüder Vinz und Georg. Ihre Eltern waren bei einem Autounfall ums Leben gekommen, als Vinz noch ein Kind war. Und der 10 Jahre ältere Georg hatte daraufhin seine eigene Basketballkarriere aufgegeben, um sich um seinen kleinen Bruder kümmern zu können. Nun ist Vinz, der gerade sein Abitur gemacht hat, auf dem besten Weg zum Profibasketballer – und sein ehrgeiziger Bruder treibt ihn regelrecht dazu an. Doch Vinz will von nun an sein Leben selbst in die Hand nehmen und stellt auch seine Karriere als Berufssportler in Frage. Soll er sein Talent nicht doch lieber nutzen, um dem erdrückenden Hagener Kleinstadtmief zu entkommen und sich ein Sportstipendium in den USA zu sichern? So stehen die zwei Brüder an dem Punkt, an dem jeder seinen eigenen Weg geht, und Vinz muss lernen, für sich selbst seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

„Hangtime“ lebt von seinen Basketballsequenzen, die teilweise zwar etwas sehr den Film dominieren, aber filmtechnisch wirklich exzellent umgesetzt, aufgenommen und geschnitten sind. Selbst einen an Ballsportarten an und für sich völlig Desinteressierten wie mich vermochte die Spannung in den Spielszenen zu fesseln. Vor vergleichbaren amerikanischen Produktionen braucht sich „Hangtime“ definitiv nicht zu verstecken. Ansonsten trifft der Film genau die richtige Mischung aus Drama und Komödie. Max Fröhlich als Möchtegern-Ghettorapper mit indischer Abstammung ist die komische Figur des Films und eine echte Entdeckung am Himmel der deutschen Comedians. Auch Hauptdarsteller Max Kidd ist ein Glücksgriff. Für sein Kinodebüt bekam er dann auch gleich den Deutschen Filmpreis 2009 als bester männlicher Hauptdarsteller verliehen. In den Basketballszenen überzeugt er voll und ganz und auch schauspielerisch kann der 23-jährige Newcomer neben bekannten Kollegen wie Veit Stübner, Ralph Kretschmar und dem im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichneten Mišel Matičević locker bestehen. Alles in allem ist „Hangtime“ also ein gelungener und unterhaltsamer Film, sicherlich kein Must-See, aber durchaus zu empfehlen.
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Internet Movie Database
IMDb: Hangtime

Trailer
YouTube: Hangtime – kein leichtes Spiel: Trailer (2:00 Min)


DVD
bislang nicht auf DVD erhältlich
Kinostart: 15. Oktober 2009

Links
Offizielle Website zum Film
3L-Film: Artikel zu Max Kidd und „Hangtime“
Filmkritik auf Cinefacts.de: „Coming of Age-Filme sind seit ca. fünf Jahren ziemlich out in Deutschland [...]“
Filmstarts.de: Filmvorschau
DigitalFernsehen.de: Filmbeschreibung
Die Kinokritiker: Filmbeschreibung

Tags: Coming of Age, Film, Kritik, Rezension, Review, Besprechung, Beurteilung, Bewertung, Beschreibung
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Montag, 13. Juli 2009

C.R.A.Z.Y. - Verrücktes Leben


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(sehr gut)

Ein weiterer auf zahlreichen Festivals erfolgreicher Film: im Mittelpunkt des Dramas um eine Familie mit 5 Brüdern in Québec steht Zachery, der Zweitjüngste, der mit seinem Vater nicht nur wegen seiner Homosexualität zu kämpfen hat. Die Zeitschrift Cinema urteilte: „Bittersüße Geschichte vom Erwachsenwerden in den 70er und 80er Jahren, die mit Tiefgang, feinem Humor und toller Musik begeistert.“


Der Film läuft am Montag, 20. Juli 2009 um 0:10 Uhr auf SF2.
Internet Movie Database: C.R.A.Z.Y. (CA, 2005)
YouTube: C.R.A.Z.Y. – Trailer (1:53 Min)
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Montag, 6. Juli 2009

Little Miss Sunshine


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(sehr gut)

Non-Coming-of-Age-Tip! Der Überraschungserfolg beim Sundance Film Festival 2006, wo er mit Standing Ovations gefeiert wurde, lief anfangs Gefahr, dem großen Publikum vorenthalten zu bleiben – die US-amerikanischen Filmverleihe bezweifelten seine kommerziellen Chancen. Letztendlich wurde die satirische Tragikomödie, die der amerikanischen Gesellschaft schamlos den Spiegel vorhält, einer der weltweit erfolgreichsten Filme von 2006. Und er ist ein absolutes Must See! Nicht verpassen!


Der Film kommt am am Donnerstag, 9. Juli 2009, 23:30 Uhr auf ARD.
Internet Movie Database: Little Miss Sunshine (US, 2006)
YouTube: Little Miss Sunshine – Trailer (2:29 Min)
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Montag, 22. Juni 2009

Der Felsen


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(nicht schlecht)

Auf Korsika kreuzen sich die Wege der Urlauberin Katrin, die tief in einer Midlife-Krise steckt, und des 16-jährigen Malte, der in einem korsischen Resozialisierungs-Camp für straffällige Jugendliche aus Deutschland ist. Und beide geraten in einen Strudel der Gefühle. Das künstlerische Drama von Dominik Graf gewann zahlreiche Preise. Für seine Darstellung des problembelasteten Malte wurde Antonio Wannek als bester Hauptdarsteller für den deutschen Filmpreis nominiert. Außerdem mit dabei: Sebastian Urzendowsky in einer Nebenrolle.


Der Film läuft am Mittwoch, 24. Juni 2009, um 22:25 Uhr auf 3sat.
Internet Movie Database: Der Felsen (D, 2002)
Leider ohne Trailer
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Montag, 15. Juni 2009

Party Monster


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(nicht schlecht)

Die "New York Club Kids" machten Ende der 80er mit exzessiven Partys Schlagzeilen. Macaulay Culkin spielt den Club Kids-Gründer Michael Alig. Unschuldig, ausgeflippt und versaut zugleich wirkt er in dieser Rolle so selbstverständlich und überzeugend, dass er wohl einfach sich selbst gespielt hat. Marilyn Manson ist in einer Nebenrolle zu sehen. Der schräge Trip durch die Drogen- und Clubwelt war unter anderem für den Grand Jury Prize beim "Sundance Film Festival" nominiert.


Der Film läuft am Samstag, 20. Juni 2009 um 22:00 Uhr auf TIMM.
Internet Movie Database: Party Monster (US, 2003)
YouTube: Party Monster – Trailer (1:28 Min)
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Montag, 8. Juni 2009

Billy Elliott


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(herausragend)

Coming of age at its best. Der Film ist jetzt schon ein absoulter Klassiker des Genres. Die Geschichte des 11-jährigen Billy, der in einer kleinen Bergarbeiterstadt in Nordengland aufwächst und sich aller Widerstände zum Trotz auch gegen seinen raubeinigen Vater durchsetzt: denn Billy will nicht wie alle anderen zum Boxunterricht, Billy will Ballett tanzen. Ausgezeichnet mit 50 Movie Awards weltweit und nominiert für 3 Oskars. Man hat echt was verpasst, wenn man diesen Film nicht gesehen hat!


"Billy Elliot" läuft am Sonntag, 14. Juni 2009, um 10:35 Uhr auf RTL.
Internet Movie Database: Billy Elliot (GB, 2000)
YouTube: Billy Elliot – Trailer (2:29 Min, engl.)

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Montag, 1. Juni 2009

Kalte Duschen – Douches froides


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(gut)

Unter dem Titel "Cold Showers" war er der Non-Gay-Favourite des Verzaubert Filmfests 2006
. Ich urteilte damals: "Die Franzosen haben’s einfach drauf. Kaum eine andere Kinokultur kann eine eher unspektakuläre Coming-of-Age-Story so realistisch und klischeefrei rüberbringen. Glaubwürdige Figuren, die ihren nicht immer einfachen Alltag meistern. Selbst Sex wird mit offener Selbstverständlichkeit in Szene gesetzt. Und nie waren zwei Jungs beim Judo so natürlich erotisch..."

Der Film kommt am Donnerstag, 4. Juni 2009 um 21:00 Uhr auf Arte.
Internet Movie Database: Douches froides (FR, 2005)
YouTube: Cold Showers – Trailer (1:31 Min)
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Montag, 18. Mai 2009

Neandertal


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(in Ordnung)

Der 17-jährige Guido, gespielt von Max Ophüls-Preisträger Jacob Matschenz, leidet seit frühester Kindheit an Neurodermitis. Als ihm bewusst wird, dass die Krankheit ein Spiegelbild seines zerrütteten Familienlebens ist, beginnt für ihn eine emotionale Odyssee. – "Intensiver, stark gespielter Coming-of-Age-Film, der nicht nur von der Krankheit Betroffene berührt", urteilt die TV TODAY.

Der Film läuft am Freitag, 22. Mai 2009 um 21:00 Uhr auf Arte.
Internet Movie Database: Neandertal (DE, 2006)
YouTube: Neandertal – Trailer (1:58 Min)
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Montag, 11. Mai 2009

Patrik 1,5


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(sehr gut)

Ein hinreißender, ironisch-humorvoller Film über ein schwules Pärchen in einer spießigen, schwedischen Vorstadtsiedlung, das zum perfekten Glück einen Jungen adoptieren will. Doch wegen eines Verwaltungsfehlers kommt statt des ersehnten Babys ein 15-jähriges, homophobes Skaterkid – frisch aus einer Erziehungsanstalt.

Die skandinavische Komödie erhielt beim „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ den Publikumspreis als bester Film. Ob sie aber auch in Deutschland ins Kino kommen wird, weiß wohl nicht mal die Adoptionsbehörde...

Internet Movie Database: Patrik 1,5 (SE, 2008)
YouTube: Patrik, Age 1.5 – Trailer (0:51 Min, engl. Untertitel)
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Montag, 4. Mai 2009

Sie küssten und sie schlugen ihn


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(nicht schlecht)

Ein beklemmender Film über den dreizehnjährigen Antoine, der von seinen lieblosen Eltern in eine Erziehungsanstalt abgeschoben wird. Der autobiographisch gefärbte, neorealistische Klassiker aus dem Jahr 1959 war François Truffauts erster Film. Euphorisch gefeiert auf den Filmfestspielen in Cannes begründete er das "neue französische
Kino", die Nouvelle Vague.

Das – inzwischen schon ein wenig angestaubt wirkende – Meisterwerk könnt Ihr am Montag, 11. Mai 2009 um 21:00 Uhr auf Arte sehen.
Internet Movie Database: Sie küssten und sie schlugen ihn (FR, 1959)
YouTube: Sie küssten und sie schlugen ihn – Trailer (3:47 Min)
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Mittwoch, 29. April 2009

Privatunterricht – Elève Libre


Originaltitel: „Elève libre“
Englischer Titel: „Private Lessons“
Belgien, Frankreich, 2008
Regisseur: Joachim Lafosse
Hauptdarsteller: Jonas Bloquet, Jonathan Zaccaï, Claire Bodson, Yannick Renier, Pauline Etienne
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Bewertung:

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(gut)
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Mit „Elève libre“ ist dem belgischen Regisseur Joachim Lafosse ein ebenso außergewöhnliches wie verstörendes Drama gelungen. Ein Drama über die naiv-neugierige Unbedarftheit eines Teenagers, über die Verunsicherung und Desorientierung in der Pubertät und über enttäuschtes und ausgenutztes Vertrauen. Ein Film, der letztendlich unangenehme Fragen aufwirft: Wann wird sexuelle Aufklärung peinlich und beschämend? Wie weit darf Vertrauen gehen? Wo liegt die Grenze zwischen Aufklärung und Verführung? Und wann wird aus Verführung Missbrauch?

Der 16-jährige Jonas lebt in Brüssel in einer WG zusammen mit zwei Mittdreißigern, Didier und Nathalie – Freunde seiner Mutter, die in einer anderen Stadt wohnt. Es ist keine leichte Zeit für Jonas, der nicht nur wegen zu schlechter Leistungen Gefahr läuft, die Schule verlassen zu müssen, sondern zudem erkennen muss, dass es auch für seine Traumkarriere als Tennisprofi nicht reichen wird. Ein weiterer Bekannter seiner Mutter, Pierre, der quasi auch schon zur WG gehört, bietet ihm an, mit ihm zu lernen. Doch Jonas’ schulische Leistungen sind nicht das einzige, um was sich seine Mitbewohner intensiv kümmern. Auch seine sexuelle Entfaltung liegt ihnen sehr am Herzen. Denn Pierre paukt mit Jonas weit mehr als nur Algebra, Chemie und Literatur. Doch so uneigennützig, wie es scheint, sind Pierres Beweggründe nicht. Geht es ihm wirklich nur um Jonas?

„Elève libre“ zeichnet ein feines, psychologisches Bild einer ungewöhnlichen Beziehung. In ruhigem Erzählstil startet der Film komödiantisch, lässt einen amüsiert schmunzeln, wenn sich Jonas’ erwachsene Freunde, ungeniert beim Abendessen plaudernd, mit seiner erwachenden Sexualität auseinandersetzen. „Wie lange brauchst du denn so bis zum Orgasmus?“ „Ist deine Freundin eher vaginal oder eher klitoral?“ Mit der Zeit geht Jonas immer neugieriger auf das Spiel ein. Belustigt und verunsichert zugleich lässt er unter den Blicken seiner Mitbewohner sogar praktische Demonstrationen gängiger Sexualpraktiken über sich ergehen. Doch was locker, spielerisch und scheinbar harmlos beginnt, stellt sich mit der Zeit als ebenso gezieltes wie subtiles Ausnutzen von Jonas’ sexueller Unsicherheit und Unerfahrenheit heraus und überschreitet letztendlich seine Grenzen bei weitem.

Joachim Lafosse wurde 1975 in Brüssel geboren und absolvierte die IAD Filmschule (Institut des Arts de Diffusion Bruxelles). Seine Idee zum Film „Elève libre“ präsentierte er bereits 2005 beim „Cannes Film Festival Atelier“, einer Initiative zur Förderung junger Regietalente mit dem Ziel, Finanziers und Investoren für Nachwuchsprojekte zu finden. Sein erster Spielfilm „Folie Privée“ lief 2004 unter anderem im Wettbewerb beim Filmfestival in Locarno. 2006 gewann er mit „Ça rend heureux“ den Großen Jury-Preis beim Filmfest in Angers. Und mit seinem ebenfalls 2006 veröffentlichten und hoch gelobten, künstlerischen Familiendrama „Nue Propriété“ erreichte er bei Festivals in Nord- und Südamerika und Asien erstmals auch ein Publikum außerhalb Europas. „Elève libre“, der 2008 in Cannes vorgestellt wurde, lief bislang international nur auf einigen Filmfesten und hatte im Rahmen des „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ Deutschlandpremiere.
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Internet Movie Database
IMDb: Elève libre

Trailer
YouTube: Privatunterricht – Trailer (1:33 Min, franz. mit dt. Untertiteln)

Kino
deutscher Kinostart: 21. Januar 2010
Verleih: PRO-FUN MEDIA
Tags: Privatunterricht, Film, Kritik, Rezension, Review, Besprechung, Beurteilung, Bewertung, Beschreibung
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Montag, 27. April 2009

Paranoid Park


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(gut)

Bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnetes Jugenddrama von Gus Van Sant: die Geschichte des 16-jährigen Skaters Alex erschließt sich Stück für Stück in kunstvollen Vor- und Rückblenden. Ein verstörendes, bildgewaltiges Werk, das als Van Sants bislang bester Film gilt (wenngleich mich "Elephant" noch mehr gefesselt hatte).

Der Film läuft am Donnerstag, 30. April 2009 um 22:25 Uhr auf 3sat.
Internet Movie Database: Paranoid Park (US, 2007)
YouTube: Paranoid Park – Trailer (2:13 Min)
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Montag, 20. April 2009

Guter Junge


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(sehr gut)

Eine erstaunliche WDR-Produktion über einen Siebzehnjährigen, dessen Vater erkennen muss, dass sich sein Sohn zu Jungs hingezogen fühlt, die deutlich jünger sind als er. Sehr sensibel und ohne Schuldzuweisungen wird hier ein
Tabuthema aufgegriffen. Absolut sehenswert!
Hauptdarsteller: Sebastian Urzendowsky, Klaus J. Behrendt

Der Film läuft am Mittwoch, 22. April 2009 um 22:10 Uhr im WDR.
Internet Movie Database: Guter Junge (DE, 2008)
YouTube: Guter Junge – Filmausschnitt (2:12 Min)
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Sonntag, 19. April 2009

Maman est chez le coiffeur


Originaltitel: „Maman est chez le coiffeur“
Englischer Titel: „Mommy Is at the Hairdresser's“
Deutscher Titel: „Maman ist kurz beim Friseur“
Kanada, 2008
Regisseur: Léa Pool
Hauptdarsteller: Marianne Fortier, Élie Dupuis, Hugo St-Onge-Paquin, Laurent Lucas, Céline Bonnier, Gabriel Arcan, Benjamin Chouinard, Antoine Desrochers
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Bewertung:

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(herausragend)
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Nur wenige Filme präsentieren selbst die tragischsten Szenen mit einer solchen Leichtigkeit, dass sie dem von der Traurigkeit der Handlung zutiefst ergriffenen Zuschauer trotzdem ein Lachen ins Gesicht zaubern können. „Maman est chez le coiffeur“ meistert das mit Bravour. Das bewegende kanadische Drama besticht in jeglicher Hinsicht: mit einer liebevollen und detailgetreuen Szenerie, die das Québec der sechziger Jahre wieder aufleben lässt. Mit einer genial zusammengestellten Filmmusik – von Beethoven bis hin zu vielen bekannten französischen Chansons. Mit großartig ausgearbeiteten, zum Teil herrlich skurrilen Charakteren bis in die Nebenrollen hinein. Und nicht zuletzt mit grandiosen jungen Schauspielern, die sich mit ihrer offenherzigen Darstellung direkt in das Herz des Zuschauers spielen.

Französisch-Kanada im Sommer 1966: für die 15-jährige Élise und ihre beiden jüngeren Brüder beginnt das bisher idyllische Familienleben zu bröckeln, als herauskommt, dass ihr Vater eine Affäre mit einem seiner Golfpartner hat. Als ihre Mutter, die sich immer fürsorglich und liebevoll um ihre Kinder gekümmert hat, die Familie verlässt, ist der zurückgelassene Vater vollkommen überfordert. Und die drei Kinder gehen ganz unterschiedlich mit der Situation um: während Benoît, das Nesthäkchen der Familie, seine Einsamkeit und Frustration in alarmierenden Verhaltensweisen zum Ausdruck bringt, bastelt sein Bruder Coco unbeirrbar in der Garage an seiner Seifenkiste weiter. Élise hingegen flüchtet sich nicht in ihre eigene Welt, sondern beginnt die Menschen um sich herum kritischer zu betrachten.

Die in Kanada lebende, schweizerische Regisseurin Léa Pool erzählt ihre bittersüße Coming-of-Age-Geschichte gänzlich aus der Sicht der Kinder: wie sie erkennen, dass es überall um sie herum Probleme gibt und die Welt nicht so glücklich ist, wie sie immer glaubten. Wie sie bei unschuldigen Teenagerspielen versuchen, den ersten Kuss zu erhaschen. Wie sie sich bei einem Freund im Schlafzimmerschrank verstecken, um einmal eine nackte Frau zu sehen. Wie sie auf neugierige Fragen der Nachbarn hin immer wieder antworten, dass Mama beim Friseur ist. Und wie sie durch die neuen Umstände, mit denen sie zurechtkommen müssen, ein Stück ihrer Kindheit verlieren. Insbesondere bei Élise sieht man, dass sie sich zunehmend für die Familie verantwortlich fühlt und langsam die Rolle der Mutter zu übernehmen scheint und sich dennoch in einem alten taubstummen Fliegenfischer, einem Vagabunden, eine neue Bezugsperson sucht.

„Maman est chez le coiffeur“ ist ein Film für Erwachsene, der auf nostalgische Weise die Kindheit und Jugend wieder aufleben lässt, ohne dabei sentimental zu werden. Er ruft wieder in Erinnerung, wie es ist, langsam die kindliche Unschuld zu verlieren und mit der Ernsthaftigkeit des Lebens konfrontiert zu werden. Der Film hat bislang in Deutschland leider noch keinen Verleih finden können. Aber vielleicht hilft es, dass er als Centerpiece beim „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ vom Publikum zu einem der drei besten Filme des Festivals gekürt wurde. Wollen wir hoffen, dass es noch ein paar mehr Leute geben wird, die sich von seiner Faszination mitreißen lassen können.

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Internet Movie Database
IMDb: Maman est chez le coiffeur

Trailer
YouTube: Maman est chez le coiffeur – Trailer (1:38 Min, franz. mit engl. Untertiteln)

DVD/Kino
Amazon.ca: Maman est chez le coiffeur
Kinostart in der Schweiz: 09. April 2009

Links
YouTube: Filmausschnitt (0:54 min, franz.)
YouTube: Filmausschnitt (1:03 min)
YouTube: Musikvideo – Der 13-jährige Hauptdarsteller Élie Dupuis singt „Bang Bang“ (3:16 min)
OutNow.CH: Filmkritik
Rotterdam TwitchFilm.net: Filmkritik (engl.)
Verzaubert Filmfest: Mommy is at the Hairdresser’s – Filmbeschreibung

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Sonntag, 12. April 2009

The Love of Siam


Originaltitel: รักแห่งสยาม („Rak Haeng Sayam“)
Thailand, 2007
Regisseur: Chukiat Sakveerakul
Hauptdarsteller: Mario Maurer, Witwisit Hiranyawongkul, Jirayu La-ongmanee, Artit Niyomkul, Laila Boonyasak, Sinjai Plengpanit
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Bewertung:

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(sehr gut)
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“Da ist eine Frage, die mich beschäftigt: Wenn wir jemanden wirklich lieben, wie sollen wir damit umgehen können, eines Tages von ihm getrennt zu sein? Und wenn Trennung eben zum Leben dazugehört, besteht dann irgendeine Möglichkeit jemanden zu lieben, ohne jemals Angst haben zu müssen, ihn zu verlieren?” – Diese Gedanken bewegen den Teenager Mew, einen sensiblen und kreativen Jugendlichen, der als Leadsänger und Komponist einer Schüler-Boygroup der Schwarm aller Mädchen ist. Doch im Inneren seines Herzens hängt Mew einer Beziehung nach, die schon seit vielen Jahren vorbei ist: der Kinderfreundschaft zu einem Nachbarsjungen, zu seinem einst besten Freund Tong. Tongs Familie war weggezogen, nachdem keine Hoffnung mehr bestand, dass Tongs ältere, im Dschungel vermisste Schwester jemals zurückkehren würde. Der Zufall will es, dass sich die Wege von Mew und Tong nach 10 Jahren am Siam Square, einem bekannten Treffpunkt in Bangkok, wieder kreuzen – und beide erkennen müssen, dass das, was sie füreinander empfinden, wohl schon immer weit mehr als bloße Freundschaft gewesen ist.

„The Love of Siam“ ist eine gefühlvolle Geschichte über die schüchterne Liebe zwischen zwei Jungen. Die Story ist in erster Linie auf ein Teenagerpublikum zugeschnitten und bedient sich so mancher Klischees, lässt aber erfreulicherweise schwule Stereotypen gänzlich außen vor. Der Film ist sehr sensibel umgesetzt, humorvoll, zutiefst romantisch, hält so manche Überraschung bereit und geht – nicht zuletzt wegen der einfühlsamen Filmmusik – einfach zu Herzen. Insbesondere auch die Geschichte um Tongs alkoholkranken Vater, der den Verlust seiner Tochter nie verwinden konnte, macht den Film mit aus. „The Love of Siam“ eroberte Thailand im Sturm und war in ganz Asien sehr erfolgreich. Die Hauptrollen spielen der Sänger „Pitch“ Witwisit als Mew, der durch den Film in Asien die Spitze der Hitparaden erreichen konnte, und Mario Maurer als Tong. Mario Maurer, geboren in Thailand mit deutschem Vater und chinesischer Mutter, hatte mit 16 Jahren bereits eine Modelkarriere begonnen und ist seit „The Love of Siam“ der Teenagerstar in Thailand schlechthin. Er wurde für seine Rolle für den Asian Film Award nominiert. Kein Wunder also, dass seine Fans ihn „Supermario“ getauft haben.

Der Film „The Love of Siam“ könnte eine ganz normale und leicht kitschige Teenager-Lovestory sein. Aber er ist mehr! Er ist ein kleines Familienepos, das zeigt, wie sehr der Verlust eines Kindes eine Familie zerrütten kann. Er ist ein tiefgründiges Drama über die Bedeutung von Freundschaft, Liebe und Verlust. Und er ist einer der schönsten schwulen Coming-of-Age-Filme, die je gedreht wurden. Dem Vergleich mit Coming-out-Klassikern wie „Beautiful Thing“ oder „Sebastian“ hält das thailändische Drama locker Stand. Dass hier aber eine Liebesbeziehung zwischen zwei Jungen in den Mittelpunkt eines Films gestellt wird, der ein Massenpublikum anspricht, ist schon außergewöhnlich. Bemerkenswert, dass gerade ein asiatischer Film demonstrieren muss, wie man ein Thema groß ins Kino bringt, das sich bei uns nur in Form der Quotenschwuchtel in drittklassigen TV-Soaps an ein breiteres Publikum wendet. Denn ernst zu nehmende Kinofilme, die ein schwules Thema fernab gängiger Homoklischees beinhalten, führen ja sonst ein Nischendasein. So war das „18. Verzaubert Queer Filmfestival 2009“ wohl auch eine der ganz wenigen Chancen, die der Film hatte, um in Europa überhaupt im Kino gezeigt zu werden. Schade!
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Internet Movie Database
IMDb: Rak haeng Siam

Trailer
YouTube: The Love of Siam – Trailer (3:33 Min, engl. Untertitel)

DVD
Amazon.com: The Love of Siam (1 DVD, engl. Untertitel)
JSDVD Mall, Taiwan: The Love of Siam – Special Edition (3 DVDs, engl. Untertitel)
(umgerechnet ca. 30 Euro incl. Versandkosten, schnelle und zuverlässige Lieferung, International Shipping Fee muss als extra Posten in den Warenkorb gelegt werden

Filmkritiken

Molodezhnaja.ch: „’The Love of Siam’ ist ein wunderbarer Film. Inszeniert hat ihn einer der talentiertesten Regisseure Thailands […]“
Thailandinformation.de: „Der thailändische Film Love of Siam (Rak haeng Siam) macht vor allem wegen seiner beiden Hauptdarsteller […]“

Links

Offizielle Website zum Film (thailändisch)
Wikipedia.com: The Love of Siam (engl.)
Wikipedia.com: Mario Maurer (engl.)
Wikipedia.com: Witwisit Hiranyawongkul (engl.)
Verzaubert Filmfest: The Love of Siam – Filmbeschreibung

Tags: Coming of Age, Film, Kritik, Rezension, Review, Besprechung, Beurteilung, Bewertung, Beschreibung
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Montag, 23. Februar 2009

Der Vorleser


Originaltitel: „The Reader“
USA, Deutschland, 2008
Regisseur: Stephen Daldry
Hauptdarsteller: Kate Winslet, David Kross, Ralph Fiennes, Bruno Ganz
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Bewertung:

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(herausragend)
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Eine Geschichte um das sexuelle Erwachen eines 15-Jährigen und seine erste Liebe zu einer deutlich älteren Frau. Eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem Prozess gegen die Aufseherinnen in einem KZ. Und der innere, viele Jahre dauernde Kampf eines erwachsenen Mannes, das Trauma seiner ersten Liebe aufzuarbeiten. All das beinhaltet Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“, der 1995 erschienen ist. International fand Schlinks Werk nicht nur wegen des sprachgewaltigen und präzisen Erzählstils Beachtung, sondern auch wegen des provokativen Inhalts: dem Tabuthema Liebe zu einem Minderjährigen und dem ungewöhnlichen Blick auf die Täter des Holocaust.

Zentrale Figur in „Der Vorleser“ ist Michael Berg, aus dessen Blickwinkel der gesamte Roman geschrieben ist. Seine schüchterne Teenagerliebe zu der 36-jährigen Hanna Schmitz wird von Bernhard Schlink sehr poetisch und mit unglaublichem Einfühlungsvermögen in die pubertären Gefühlswirren in wunderschönen Worten geschildert. Über viele Monate hinweg dauert ihre Liebesbeziehung an, bei der Sex eine wesentliche Rolle spielt, und Hanna lässt sich von Michael – quasi als Vorspiel – immer aus Werken der Weltliteratur vorlesen. Doch eines Tages ist Hanna spurlos verschwunden.

Viele Jahre später studiert Michael Jura und belegt ein Seminar, das einen Prozess gegen ehemalige KZ-Aufseherinnen begleitet. Auf der Anklagebank findet er Hanna wieder und im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, dass auch im KZ junge Mädchen regelmäßig für Hanna aus Büchern vorlesen mussten. Michael, der seine Liebe zu Hanna und ihr plötzliches Verschwinden nicht überwunden hatte, ist wie traumatisiert. Seine Zerrissenheit zwischen der Erinnerung der ersten Liebe und den Eindrücken aus dem Prozess bestimmen fortan sein ganzes Leben. Und erst sehr spät findet er Erlösung und innere Distanz.

Regisseur Stephen Daldry („Billy Elliot“) brachte den Weltbestseller auf die Kinoleinwand. Den Film, der am Donnerstag offiziell anläuft, konnte ich gestern in der Vorpremiere sehen. Und ich bin begeistert! Die Kritiken, die ich bislang zur Verfilmung gelesen habe, gehen sehr streng mit dem Werk ins Gericht und haben so manches daran auszusetzen. Dem kann ich nun so gar nicht zustimmen. Stephen Daldry hält sich – von ganz wenigen filmischen Freiheiten mal abgesehen – konsequent an Schlinks Vorlage. Die einfühlsame Umsetzung der Liebesbeziehung zwischen Michael und Hanna steht an Faszination und Ausdruckskraft dem Roman in nichts nach. Der Gerichtsprozess und die Jahre danach und auch die Darstellung von Michael Bergs Gefühlen erschüttern einen im Film ebenso wie im Buch.

„Der Vorleser“ ist bestimmt kein unbeschwertes Popcorn-Kino, aber ein großartiger Film. David Kross und Kate Winslet spielen grandios und zaubern im ersten Teil eine knisternde, erotische Spannung auf die Leinwand. Die außerordentlich freizügigen Liebesszenen überraschen für eine US-amerikanische Produktion. Die Amis scheinen sich daran nicht gestoßen zu haben, denn Kate Winslet bekam den Oscar für ihre Darstellung. Der Film war außerdem für 4 weitere Oscars nominiert, für Regie, Drehbuch, Kamera und als bester Film – und das hat er auch wirklich verdient. Umso mehr verwundert das kritische Pressefeedback in Deutschland. Kann es sein, dass sich deutsche Journalisten bemüßigt fühlen, an dem Film einfach etwas Negatives finden zu müssen, um sich bequem von Bernhard Schlinks kontroverser Auseinandersetzung mit der Schuldfrage zur Judenvernichtung distanzieren zu können?

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Internet Movie Database
IMDb: Der Vorleser

DVD
Amazon.co.uk: The Reader
Amazon.de: Der Vorleser
Tags: Coming of Age, Film, Kritik, Rezension, Review, Besprechung, Beurteilung, Bewertung, Beschreibung
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David Kross


Deutscher Schauspieler
Geboren: 4. Juli 1990 in Bargteheide, Schleswig Holstein
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Drei Jahre, drei Kinofilme, drei Hauptrollen, drei Volltreffer. Der Jungstar David Kross schaffte es, sich nach seinem Kinodebüt in kürzester Zeit vom
No-Name zum Weltstar zu katapultieren. David Kross war 11 Jahre, als er sein Interesse für die Schauspielerei fand. Ein paar Auftritte auf einer Kindertheaterbühne und einige wenige TV-Nebenrollen hatte er schon hinter sich, als er 2005 von Detlev Buck entdeckt wurde. Dabei war das Glück und Zufall zugleich, denn Detlev Buck hatte nach vielen Castings zu seinem Drama „Knallhart“ immer noch nicht die passende Besetzung für die Hauptrolle gefunden, bis seine Tochter und seine Frau ihn auf David Kross aufmerksam machten – so erzählt David selbst in einem Interview. David Kross’ Darstellung des 15-jährigen Michael, der den sozialen Brennpunkt Neukölln von seiner härtesten Seite kennen lernt, hat ihm seinen ersten Besuch bei der Berlinale beschert – als vielfach gelobtes und gefeiertes Nachwuchstalent.

Dabei wirkt der aus Bargteheide, einem kleinen Ort bei Hamburg, stammende David gar nicht wie der geborene Star. Eher ruhig, schüchtern und zurückhaltend traut man ihm sein großes Talent auf den ersten Blick gar nicht zu. Doch seine Wandlungsfähigkeit ist beachtlich, was er auch in seiner nächsten Hauptrolle unter Beweis stellen konnte: der Titelrolle in Marco Kreuzpaintners Romanverfilmung „Krabat“, in der er die Figur des Krabat vom 14- bis hin zum 20-Jährigen verkörpert. Seine große schauspielerische Begabung scheint ihm in die Wiege gelegt zu sein. Schauspielunterricht hatte er noch nie, über die Darstellung in seinen Rollen macht er sich gar nicht so viel Gedanken. Er folgt seiner Intuition und meint lapidar: „Ich spiele einfach gerne“. So beendete David Kross auch die Schule vorzeitig und widmet sich nun voll und ganz der Schauspielerei.

Mit seiner dritten Rolle versetzte er dann aber noch einmal alle in Erstaunen. Er spielt den jungen Michael Berg in der Romanverfilmung „Der Vorleser“, eine Hollywoodproduktion mit „Titanic“-Star Kate Winslet in der Hauptrolle. Das Pikante: in diesem Film gibt es auch einige Sexszenen, die erst ganz zum Ende der Filmarbeiten gedreht werden konnten. Denn es musste Davids achtzehnter Geburtstag abgewartet werden. Für diesen Film musste sich David Kross auch zum ersten Mal intensiv vorbereiten und auch erst richtig Englisch lernen. Und die Vorstellung mit Kate Winslet zu drehen habe in schon sehr nervös gemacht, gab er zu, aber Kate sei ganz unkompliziert gewesen und habe ihm sehr geholfen. Auch Kate Winslet war voll des Lobes über David: „Es wird immer viel über sein Alter gesprochen. Er ist 18. Er ist ein junger Mann und sehr professionell. Ich denke, er spielt seine Rolle brillant.“

Kate Winslet bekam den Oscar für Ihre Rolle in dem vielfach nominierten Film und für David ist „Der Vorleser“ mit Sicherheit der internationale Durchbruch, wurde er doch von Kate bei der Verleihung des Academy Award sogar namentlich erwähnt. Zuletzt drehte David Kross – wieder mit seinem Entdecker Detlev Buck – in Kambodscha das Liebesdrama „Same Same But Different“. Und bei der Berlinale 2009 wurde er dann auch zusammen mit neun weiteren europäischen Nachwuchstalenten mit dem Shootingstar-Award ausgezeichnet. Mal sehen, was uns David noch so alles bieten wird, die Filmwelt steht ihm ja nun offen. Und als heimliche deutsche Oscar-Hoffnung wird er bereits gehandelt.

Kurzer Nachtrag: Bei den Filmfestspielen in Cannes im Mai 2009 erhielt David Kross außerdem – als erster deutscher Schauspieler – die „Trophée Chopard“. Und von der Chicago Film Critics Association wurde er als bester junger Nachwuchsschauspieler nominiert.